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Vielleicht fragen Sie sich, ob das alles überhaupt stimmen kann, dass ein Haushaltspilz Chemikalien aus der Matratze in tödliche Gase umwandelt? Wenn das so ist, warum macht es dann niemand bekannt? Ich kann es Ihnen nicht sagen. Ich weiss nur, dass das Thema 1990 erstmals in England bekannt wurde, dass der britische Forscher Richardson die Gase nachgewiesen hat, und dass später zwei Studien von der britischen Regierung (Health Department) veröffentlicht wurden, die verneinen, dass Babymatratzen giftige Gase bilden können.

Ich kenne mich zwar auf dem Gebiet der Wissenschaft aus, aber ich bin weder Fachfrau auf dem Gebiet der Chemie, noch auf dem Gebiet der Medizin, daher konnte ich nur zwei Dinge tun, um mir eine Meinung zu dem Thema zu bilden: erstens, mich durch zahlreiche Fachtexte wühlen, und dann zweitens, den Versuch zu starten, alle bekannten Risikofaktoren und alle bekannte Fakten beim plötzlichen Kindstod mit der Theorie der giftigen Gase zu erklären. Dazu habe ich einen Bericht von Hildegard Jorch genommen (Jorch ist Vorsitzende der Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod Deutschland e.V."), der im Polizeispiegel erschien, siehe [A9, ab Seite 18] (PDF Seite 15). In diesem Bericht sind alle Risikofaktoren nochmal zusammengefasst, und auch die wichtigsten Eckpunkte von Studien. Ich habe versucht, wirklich jeden dort aufgeführten Punkt mit der Theorie der giftigen Gase zu erklären. Hier folgt also eine Liste von Zitaten aus dem oben genannten Artikel, und darunter mein persönlicher Versuch, eine Erklärung mit der Theorie der giftigen Gase dafür zu finden.

  • "es sterben meist nicht die erstgeborenen Kinder, sondern das zweite, dritte oder weitere Kind"
    Matratzen, die den Pilz bereits enthalten, sind am gefährlichsten. Ein Baby, welches diesen Pilz erwärmt und ihm Feuchtigkeit zuführt, kann den chemischen Prozess schneller in Gang setzen, und es werden dann gleich größere Mengen an Gas gebildet [38, Seite 226] (PDF Seite 6). Jüngere Geschwisterkinder werden meist auf eine gebrauchte Matratze gebettet, Erstgeborene erhalten in der Regel hingegen eine neue Matratze. Daher sterben deutlich weniger erstgeborene Kinder.
  • "Der höchste Gipfel der SIDS-Sterblichkeit liegt in praktisch allen Studien zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat. [...] In einigen Studien findet man einen weiteren kleineren Gipfel zwischen dem achten und zehnten Lebensmonat."
    Offensichtlich benötigt der Pilz eine gewisse Zeit, um aktiv genug zu werden, um eine tödliche Dosis Gas zu produzieren. Dies erklärt den ersten Gipfel. Viele Babys wechseln im Alter von etwa 6 Monaten auf die Matratze eines Geschwisterkindes, da sie vorher im Stubenwagen geschlafen haben. Auch hier muss der Matratze erst eine gewisse Menge Wärme und Feuchtigkeit zugeführt werden, damit die Reaktion in Gang gesetzt und das Gas gebildet wird. Dies erklärt den kleineren zweiten Gipfel.
  • "So sterben in den Wintermonaten mehr Kinder als in der warmen Jahreszeit."
    Gerade in den Wintermonaten kommen einige Faktoren zusammen, die dem Pilz Wärme zuführen: vermehrte Infekte, die zu Fieber führen, und die Matratze mehr als gewöhnlich erwärmen. Dadurch kann leicht 10 bis 20mal soviel Gas gebildet werden wie an den anderen Tagen [7, Seite 4],[10, Seite 201]. Auch sind manche Kinder im Winter zu warm angezogen und schwitzen dann in ihren Betten, was einen ähnlichen Effekt hat.
  • Risikogruppe "Säuglinge, die in der Anamnese von ihren Eltern schon einmal leblos in ihrem Bett gefunden wurden (anscheinend lebensbedrohliches Ereignis = ALE)"
    Wenn das Baby schon einmal beinahe an den Gasen, die seiner Matratze entströmen, gestorben ist, so kann dies leicht auch ein zweites Mal passieren.
  • Risikogruppe "Frühgeborene unter 2000 g oder vor der 30. Schwangerschaftswoche geborene Kinder mit postnataler Intensivtherapie und bronchopulmonaler Dysplasie (Schädigung der Lunge infolge einer erforderlichen Beatmung)"
    Ich bin zwar kein Mediziner, kann mir aber durchaus vorstellen, dass Babys, die generell geschwächt sind, und deren Lunge geschädigt sind, anfälliger für die Gas-Vergiftungen sind, und im Notfall können sie sich nicht so leicht von dem Bettzeug um sie herum befreien, um so den Abzug der giftigen Gase zu ermöglichen.
  • Risikogruppe "Kinder von drogenabhängigen Eltern"
    Drogenabhängige Eltern sind in der Regel knapp bei Kasse und verwenden höchstwahrscheinlich eine gebrauchte Matratze, auch für das erste Kind. Gebrauchte Matratzen sind besonders gefährlich, weil sie fast immer den Pilz schon in größerem Ausmaß enthalten, das hat Richardson nachgewiesen.
  • Risikogruppe "Überlebende Mehrlingskinder, d.h. wenn eines der Mehrlingskinder bereits am SID verstorben ist"
    Vielleicht legen manche der betroffenen Eltern das verbleibende Kind - aus welchem Grund auch immer - in das Bett des verstorbenen Mehrlingskindes. Oder die Kinder sind noch sehr klein und teilten sich sogar ein Bett.
  • Risikogruppe "Auf ein SID-Kind nachfolgend geborene Geschwister"
    Sobald die Matratze des verstorbenen Kindes wiederverwendet wird, können sich die Gase neu entwickeln. Eine Matratze, die so stark befallen ist, dass bereits ein Kind darauf verstorben ist, kann auch zur Todesfalle für ein weiteres Kind werden.
  • "Ca. 60 % der plötzlich und unerwartet verstorbenen Kinder sterben während des Nachtschlafes, die meisten in den frühen Morgenstunden"
    Während der Nacht wird der Pilz für eine lange Zeitspanne erwärmt und mit Körperfeuchtigkeit gefüttert, was der Gasbildung förderlich ist. Im Winter geht dann in den frühen Morgenstunden in vielen Familien noch automatisch die Heizung an. Das Baby, das für die Nacht korrekt zugedeckt war, wird nun wärmer und fängt an zu schwitzen. Vermehrter Gasbildung führt dann zum Tod.
  • "In der Regel ist das Geschehen lautlos, sogar in unmittelbarer Nähe einer Betreuungsperson kann das Kind unbemerkt sterben."
    Das Baby wird im Schlaf vergiftet. D.h. das Herz schlägt immer langsamer, bis es irgendwann aufhört zu schlagen [37, Seite 220] (PDF Seite 2).
  • "Viele Kinder fühlen sich beim Auffinden noch warm an, obwohl sie schon länger tot sind."
    Offenbar haben diese Babys - aus welchem Grund auch immer - im Schlaf eine sehr hohe Temperatur gehabt bzw. waren sehr warm zugedeckt. Dies erhöht die Gasproduktion enorm.
  • "Ein sehr hoher Prozentsatz der Säuglinge werden auf dem Bauch liegend gefunden"
    Die giftigen Gase sind schwerer als Luft und sammeln sich unmittelbar auf der Matratze. In Bauchlage atmet das Kind dadurch besonders viele dieser Gase ein [32].
  • "Nicht wenige davon liegen komplett unter der Bettdecke"
    Unter der Bettdecke haben die giftigen Gase keine Möglichkeit zu entweichen, das Baby atmet somit ganz besonders viele dieser Gase ein.
  • "Die Überdeckung des Kindes unter der Zudecke führt zur Überwärmung und zur Rückatmung der eigenen Ausatemluft. Dies erhöht das SID-Risiko, ist aber nicht Ursache für den Tod."
    Nicht nur die eigene Ausatemluft staut sich unter der Zudecke, sondern auch die Gase, die vom Baby umso konzentrierter eingeatmet werden. Die Wärme hilft dem Pilz zusätzlich dabei, besonders viele Gase zu bilden.
  • "Allein der Gesichtsausdruck des verstorbenen Kindes zeigt, dass es nicht gelitten hat."
    Das Baby bekommt von den Gasen vielleicht zunächst Kopfweh, oder allgemeine Krankheitssymptome. Bei einer höheren Konzentration bleibt dann einfach das Herz stehen oder die Atmung hört auf [A1], die Babys sterben leise und unbemerkt an den Gasen, ein Nachweis der Vergiftung gelingt nur kurz nach dem Tod [13], [37].
  • "Häufig sind die Babys nassgeschwitzt"
    Wärme und Feuchtigkeit (auch Schweiß) sind ideal für den Pilz. Es ist nicht ungewöhnlich, dass dieser dann die 10- bis 20fache Menge an Gasen produziert, im Vergleich zu einem normal temperierten Baby.

Folgende Risikofaktoren habe ich an anderen Stellen in der Literatur gefunden.

  • "Nicht-Stillen oder frühes Abstillen erhöht das SIDS-Risiko"
    Stillen reduziert die Anzahl der Infekte, weil in der Muttermilch wertvolle Abwehrstoffe enthalten sind. Gestillte Kinder haben daher weniger häufig Fieber. Dadurch kommt es weniger häufig zu sehr warmen Situationen im Babybett, welche die Gasproduktion begünstigen.
  • "Rauchfreie Umgebung erniedrigt das SIDS-Risiko"
    Rauchen kommt vermehrt in der ärmeren Bevölkerungsschicht vor, die dazu neigt, eher gebrauchte Matratzen zu einzusetzen [38, Seite 225] (PDF Seite 5).
  • "Frisch geimpfte Babys sind besonders gefährdet"
    Dass Schutzimpfungen häufig von Fieber begleitet werden, ist unbestritten. Nach der Theorie der giftigen Gase steigt die Menge der gebildeten Gase erheblich, wenn die Temperatur erhöht wird. Fiebernde Kinder erwärmen die Matratzen mehr als gewöhnlich, und atmen dadurch mehr giftige Gase ein als gewöhnlich [38, Seite 225] (PDF Seite 5).
  • "Kranke Babys sind besonders gefährdet"
    Hier gilt dieselbe Erklärung wie bei den frisch geimpften Kindern.
  • "Gebrauchte Matratzen erhöhen das SIDS-Risiko"
    In gebrauchten Matratzen hat sich meist der Pilz schon besonders gut ausgebreitet. Die giftigen Gase werden bei Erwärmung schneller und in größeren Mengen gebildet.
  • "Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen"
    Jungen haben gegenüber Mädchen einen höheren Stoffwechsel, und neigen daher leichter zu Überhitzung, welche wiederum die Gasproduktion fördert, siehe oben. [12],[30]
  • "Schnullern während des Schlafs erniedrigt das SIDS-Risiko"
    Babys, die am Schnuller nuckeln, haben auch in Bauchlage den Kopf selten in die Matratze gedrückt, denn mit Schnuller ist dies unbequem. So liegt der Kopf auch in Bauchlage eher seitlich, was den Abstand zu den schweren, giftigen Gasen erhöht.[38, Seite 225] (PDF Seite 5).
  • "Serotonin-Mangel"
    Es gibt Zusammenhänge zwischen einem Serotonin-Mangel und dem plötzlichen Kindstod. Serotonin ist unter anderem dafür zuständig, bei Sauerstoffmangel die Schnapp-Atmung auszulösen [A11]. Zwei Überlegungen hierzu: Die Schnapp-Atmung hilft im Falle einer Vergiftgung durch Gase nicht [A3], weil sie nur zu vermehrtem Einatmen von Gas führt. Und ein Baby, das in seiner Aufwach-Reaktion durch Serotonin-Mangel blockiert wird, wird vermutlich auch beim Einatmen von Gasen schwieriger aufwachen als andere Kinder.
  • "Nachfolgend verstorbene Geschwisterkinder sind jünger"
    Wenn in einer Familie bereits ein Babys an SID verstorben ist, so beträgt das Risiko für ein nachfolgendes Geschwisterkind ca. ein Prozent. In Studien war auffällig, dass die nachfolgenden Kinder durchschnittlich in einem jüngeren Alter versterben als die zuvor gestorbenen Kinder. Dies dürfte daran liegen, weil das nachfolgende Baby von Geburt an auf eine stark verpilzte Matratze gebettet wird, während sich beim vorher gestorbenen Baby der Pilz erst noch ausbreiten mußte, bis eine tödliche Konzentration an Gasen erreicht war.
  • "Ein angeschalteter Ventilator im Zimmer erniedrigt das Risiko des plötzlichen Kindstods, vor allem in warmen Zimmern" [A20]
    Der Ventilator sorgt für einen gewissen Luftzug, auch im Babybett, welcher die Konzentration der giftigen Gase erniedrigt und somit das Risiko einer tödlichen Gas-Vergiftung erheblich reduziert. Dies ist umso effektiver je wärmer es im Babyzimmer ist, denn in kühlen Babyzimmern wird meist auch ohne Ventilator nicht genügend Gas für eine tödliche Vergiftung gebildet, d.h. der Ventilator bringt keine sichtbare Verbesserung. Je wärmer das Zimmer ist, umso mehr Gase produziert der Pilz, und umso effektiver wird es, die Gase aus dem Babybett zu wehen.
  • "Hörvermögen und plötzlicher Kindstod"
    Der Forscher Daniel Rubens hat einen Zusammenhang zwischen dem Hörvermögen von Neugeborenen, und dem Risiko am plötzlichen Kindstod zu versterben entdeckt. Der Forscher vermutet hierbei Zusammenhänge zwischen den Härchen im Ohr, und dem Atemreflex bei einem hohen Kohlendioxidgehalt im Blut. Hier liegt die Vermutung nahe, dass Kinder, deren Atemreflex sowieso schon auf irgendeine Weise gestört ist, vermutlich auch beim Einatmen der giftigen Gase weniger stark reagieren, d.h. den Kopf nicht wegdrehen, wie vielleicht andere Kinder dies tun würden.

Kennen Sie noch andere Faktoren, die in einem statistischen Zusammenhang mit dem plötzlichen Kindstod stehen? Oder haben Sie eine zusätzliche oder bessere Erklärung? Dann schreiben Sie mir!

Und wieder die übliche Warnung: dies war meine persönliche Meinung. Wenn Sie gesundheitliche Fragen haben, wenden Sie sich bitte immer an Ihren Arzt oder Ihre Hebamme. Ich bin "nur" Diplom-Informatikerin, oder Computer-Spezialistin und Betreiberin dieses Internet-Shops.

Herzlichst, Ihre Angela Wrobel